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Traditionen pflegen und Innovationen fördern

Aus dem öffentlichen Leben scheint sie heute fast vollständig verschwunden zu sein: die Trauer. Sie findet mehr und mehr im Verborgenen statt. Nach dem Tod eines Angehörigen wird dieser meist sehr zeitnah abgeholt und beigesetzt. Niemand scheint es sich mehr leisten zu können, sich ganz seiner Trauer zu widmen. Das kommt schon darin zum Ausdruck, dass nach einem Sterbefall kaum jemand mehr über längere Zeit Schwarz trägt. Privater Kummer wird selten offen gezeigt, und die meisten Menschen bemühen sich nach der Beisetzung eines Angehörigen, die quasi abgehandelt werden muss, so schnell wie möglich wieder zur Tagesordnung überzugehen.

Auch Bestattungsrituale scheinen an Bedeutung zu verlieren. Aufwendige Trauerfeiern und kunstvoll gestaltete Gräber werden immer seltener, anonyme Bestattungen in zweckmäßigen Urnenfeldern oder Gemeinschaftsgräbern verzeichnen Zuwächse. Statt einer lebendigen Erinnerungskultur zeigt sich immer häufiger eine Art Entsorgungsdenken. Das verwundert kaum, denn insgesamt werden die Themen Sterben und Tod in unserer Gesellschaft gerne verdrängt und ausgeblendet. Das war nicht immer so.